{"id":10010,"date":"2026-03-30T08:00:00","date_gmt":"2026-03-30T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/?post_type=glossary&#038;p=10010"},"modified":"2026-03-24T13:21:56","modified_gmt":"2026-03-24T10:21:56","slug":"arbeitszeugnis","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/arbeitszeugnis\/","title":{"rendered":"Was ist ein Arbeitszeugnis? Definition &#038; Praxistipps 2026"},"content":{"rendered":"<p>Ein <strong>Arbeitszeugnis<\/strong> ist eine offizielle, schriftliche Urkunde f\u00fcr den Arbeitnehmer, die Auskunft \u00fcber die Dauer, Art und Qualit\u00e4t der Arbeitsleistung gibt und vom Arbeitgeber ausgestellt wird. Es dient bei Bewerbungen als <strong>wichtigste Referenz<\/strong> und verl\u00e4ssliche Bewertungsgrundlage f\u00fcr k\u00fcnftige Einstellungen. In Deutschland haben Arbeitnehmer einen <strong>gesetzlichen Anspruch<\/strong> auf dieses Dokument.<\/p>\n<p>[toc]<\/p>\n<h2>Arbeitszeugnis einfach erkl\u00e4rt<\/h2>\n<p>In der Personalpraxis ist die Formulierung und Erstellung f\u00fcr Arbeitszeugnisse eine der aufwendigsten Pflichtaufgaben. Das deutsche Gewerbeordnung (GewO) schreibt vor, dass das Zeugnis klar und verst\u00e4ndlich formuliert sein muss. Laut aktuellen Erhebungen f\u00fchren unklare Zeugnisformulierungen in Deutschland j\u00e4hrlich zu rund <strong>30.000 arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen<\/strong>. Es gelten zwei widerspr\u00fcchliche Prinzipien: das <strong>Wahrheitsgebot<\/strong> (die Leistung muss korrekt dargestellt werden) und das <strong>Wohlwollensgebot<\/strong> (es darf den Mitarbeiter nicht behindern).<\/p>\n<p>Die Erstellung folgt einem <strong>standardisierten Aufbau<\/strong>: Briefkopf, \u00dcberschrift, Einleitungssatz, Unternehmensbeschreibung, exakte Aufgabenbeschreibung, Leistungsbeurteilung, <strong>Verhaltensbeurteilung<\/strong> (Abwesenheiten wie <a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/elternzeit\"><strong>Elternzeit<\/strong><\/a> bleiben unerw\u00e4hnt) (gegen\u00fcber <strong>Vorgesetzte<\/strong> und Kollegen), der offizielle Grund f\u00fcr die <strong>Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses<\/strong> und schlie\u00dflich die <strong>Schlussformel<\/strong>. Die Unterschrift muss zwingend von einer hierarchisch h\u00f6hergestellten Person erfolgen.<\/p>\n<p>Es gibt grunds\u00e4tzlich zwei Arten: Das <strong>einfache Arbeitszeugnis<\/strong> beschr\u00e4nkt sich auf die reinen Fakten. Das h\u00e4ufigere <strong>qualifizierte Arbeitszeugnis<\/strong> enth\u00e4lt zus\u00e4tzlich eine Bewertung der Leistung. Ein <strong>Zwischenzeugnis<\/strong> wird w\u00e4hrend eines laufenden Arbeitsverh\u00e4ltnisses ausgestellt, etwa bei einem Vorgesetztenwechsel.<\/p>\n<p><strong>Arbeitszeugnis vs. Referenzschreiben:<\/strong> Ein <strong>Arbeitszeugnis<\/strong> ist in Deutschland gesetzlich verpflichtend, formalisiert und muss das gesamte Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis objektiv abdecken. Ein <strong>Referenzschreiben<\/strong> hingegen wird absolut freiwillig ausgestellt, ist sehr pers\u00f6nlich formuliert und hebt meist rein positiv ein bestimmtes Erfolgsprojekt des Mitarbeiters hervor.<\/p>\n<h2>Vorteile und Nachteile von Arbeitszeugnissen<\/h2>\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th>\u2705 Vorteile<\/th>\n<th>\u274c Nachteile<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Kandidatenauswahl:<\/strong> F\u00fcr Recruiter sind sie oft die beste Quelle, um <strong>bisherige T\u00e4tigkeiten abzugleichen<\/strong>.<\/td>\n<td><strong>Hoher Aufwand:<\/strong> Die Erstellung individueller, rechtssicherer Texte bindet <strong>enorme Zeitkapazit\u00e4ten<\/strong>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Beweissicherung:<\/strong> Sie dokumentieren l\u00fcckenlos den <strong>beruflichen Werdegang<\/strong> und die erworbenen Fachkenntnisse.<\/td>\n<td><strong>Rechtliche Risiken:<\/strong> Formulierungsl\u00fccken f\u00fchren oft zu <strong>teuren Arbeitsgerichtsprozessen<\/strong>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>Trennungs-Incentive:<\/strong> Ein hervorragendes Zeugnis ist oft das wichtigste Tauschmittel bei **<a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/aufhebungsvertrag\"><strong>Aufhebungsverhandlungen<\/strong><\/a>.<\/td>\n<td><strong>Zeugnissprache:<\/strong> Die stark verklausulierten Formulierungen verschleiern oft die <strong>tats\u00e4chliche Leistung<\/strong>.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Arbeitszeugnis in der Praxis: Tipps f\u00fcr Unternehmen<\/h2>\n<ol>\n<li>\n<p><strong>Software f\u00fcr Zeugniserstellung nutzen<\/strong><br \/>\n   Schreibe Zeugnisse nicht &#8222;frei Schnauze&#8220; in Word. Die rechtlichen Fallstricke bei der Formulierung sind gewaltig. Nutze <strong>spezialisierte HR-Software<\/strong>. Diese \u00fcbersetzt deine Noten automatisch in <strong>rechtssichere Zeugnissprache<\/strong>, die den Dokumentationsaufwand im Personalbereich um bis zu <strong>60 % senken<\/strong> kann.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Auf die Schlussformel achten<\/strong><br \/>\n   Die sogenannte Schlussformel am Ende (Dank, Bedauern, gute W\u00fcnsche) ist der <strong>wichtigste Abschnitt f\u00fcr Recruiter<\/strong>. Fehlt sie komplett, wird das oft als Hinweis auf eine Trennung im Streit verstanden. Das Bundesarbeitsgericht urteilte jedoch, dass Arbeitnehmer darauf keinen Rechtsanspruch haben.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p><strong>Fachabteilungen in die Pflicht nehmen<\/strong><br \/>\n   HR kann die Qualit\u00e4t der Arbeit nicht allein bewerten. Etabliere einen Prozess, bei dem die <strong>direkte F\u00fchrungskraft<\/strong> zwingend einen Beurteilungsbogen ausf\u00fcllt. Nur so stellst du sicher, dass die <strong>exakten T\u00e4tigkeiten<\/strong> korrekt abgebildet werden.<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Warum ist ein Arbeitszeugnis f\u00fcr Unternehmen wichtig?<\/h2>\n<p>Das Arbeitszeugnis ist deine <strong>Visitenkarte als Arbeitgeber<\/strong>. Wenn dein Unternehmen monatelang keine Zeugnisse ausstellt oder fehlerhafte Dokumente verschickt, sch\u00e4digt das dein Employer Branding und f\u00fchrt zu schlechten Kununu-Bewertungen. F\u00fcr <strong>\u00fcber 85 % der deutschen Recruiter<\/strong> ist ein aussagekr\u00e4ftiges Zeugnis nach wie vor ein hartes Kriterium bei der finalen Kandidatenauswahl.<\/p>\n<p>Zudem hat das Zeugnis eine massive <strong>juristische Dimension<\/strong>. In Deutschland bist du als Arbeitgeber beweispflichtig, wenn du eine schlechtere Note als &#8222;befriedigend&#8220; vergeben m\u00f6chtest. Kannst du die Minderleistung nicht sauber dokumentieren, zwingt dich das <strong>Arbeitsgericht<\/strong> am Ende, dem Arbeitnehmer <strong>wahrheitsgem\u00e4ss<\/strong> ein <strong>wohlwollend<\/strong> formuliertes, gutes Zeugnis auszustellen.<\/p>\n<h2>H\u00e4ufig gestellte Fragen zum Arbeitszeugnis<\/h2>\n<h3>Bis wann muss der Arbeitgeber das Arbeitszeugnis ausstellen?<\/h3>\n<p>Der gesetzliche Anspruch entsteht mit der K\u00fcndigung und wird <strong>am letzten Arbeitstag f\u00e4llig<\/strong>. In der Praxis hat der Arbeitgeber dann eine zumutbare <strong>Frist<\/strong> von <strong>zwei bis drei Wochen<\/strong>, um das Dokument auszuh\u00e4ndigen.<\/p>\n<h3>Was darf nicht im Arbeitszeugnis stehen?<\/h3>\n<p>Krankheitszeiten, Gewerkschafts- oder Betriebsratszugeh\u00f6rigkeit, Mutterschutz, <a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/elternzeit\"><strong>Elternzeit<\/strong><\/a>, private Lebensumst\u00e4nde oder <strong>K\u00fcndigungsgr\u00fcnde<\/strong> d\u00fcrfen nicht erw\u00e4hnt werden. Auch abwertende Formulierungen versto\u00dfen gegen das <strong>Wohlwollensgebot<\/strong>. Versteckte negative Botschaften \u2014 sogenannte <strong>Geheimcodes<\/strong> \u2014 sind ebenfalls unzul\u00e4ssig und k\u00f6nnen vom Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht angefochten werden.<\/p>\n<h3>Was bedeutet &#8222;stets zur vollen Zufriedenheit&#8220;?<\/h3>\n<p>Diese Formulierung entspricht in der klassischen Zeugnissprache der <strong>Schulnote 2 (gut)<\/strong>. Ein &#8222;stets zur vollsten Zufriedenheit&#8220; w\u00e4re ein &#8222;sehr gut&#8220; (Note 1), w\u00e4hrend &#8222;zur vollen Zufriedenheit&#8220; ohne das W\u00f6rtchen &#8222;stets&#8220; nur einem <strong>&#8222;befriedigend&#8220;<\/strong> (Note 3) entspricht.<\/p>\n<h3>Was ist der Unterschied zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Arbeitszeugnis?<\/h3>\n<p>Ein <strong>einfaches Arbeitszeugnis<\/strong> enth\u00e4lt ausschlie\u00dflich Angaben zur Person, zur Art und Dauer der Besch\u00e4ftigung \u2014 ohne jede Bewertung. Das <strong>qualifizierte Arbeitszeugnis<\/strong> erg\u00e4nzt diese Fakten um eine detaillierte Beurteilung der <strong>Leistung und des Sozialverhaltens<\/strong>. In der Praxis verlangen \u00fcber <strong>90 % der Arbeitnehmer<\/strong> ein qualifiziertes Zeugnis, da es f\u00fcr Recruiter deutlich aussagekr\u00e4ftiger ist.<\/p>\n<h3>Kann ein Arbeitnehmer sein Arbeitszeugnis anfechten?<\/h3>\n<p>Ja, der Arbeitnehmer kann eine <strong>Zeugnisberichtigung<\/strong> verlangen, wenn die Bewertung nachweislich falsch oder unvollst\u00e4ndig ist. Lehnt der Arbeitgeber die Korrektur ab, bleibt der Klageweg vor dem <strong>Arbeitsgericht<\/strong>. Dort tr\u00e4gt der Arbeitgeber die Beweislast f\u00fcr eine schlechtere Bewertung als &#8222;befriedigend&#8220;, der Arbeitnehmer hingegen f\u00fcr eine bessere Note.<\/p>\n<h3>Wie lange muss der Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis aufbewahren?<\/h3>\n<p>Eine explizite gesetzliche <strong>Aufbewahrungspflicht<\/strong> f\u00fcr Arbeitszeugnisse existiert nicht. Experten empfehlen jedoch, das Zeugnis mindestens <strong>drei Jahre<\/strong> nach Ausstellung zu archivieren, da dies der regelm\u00e4\u00dfigen <strong>Verj\u00e4hrungsfrist<\/strong> f\u00fcr arbeitsrechtliche Anspr\u00fcche nach dem BGB entspricht.<\/p>\n<h3>Darf ein Zwischenzeugnis vom Schlusszeugnis abweichen?<\/h3>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ja, allerdings nur bei <strong>nachweisbar ver\u00e4nderter Leistung<\/strong> seit dem Zwischenzeugnis. Weicht das Schlusszeugnis ohne sachlichen Grund erheblich ab, kann der Arbeitnehmer auf die <strong>Bindungswirkung<\/strong> des Zwischenzeugnisses verweisen und eine Anpassung verlangen.<\/p>\n<h2>Verwandte Begriffe<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/altersvorsorge-betrieblich\"><strong>Altersvorsorge betrieblich<\/strong><\/a> \u2014 Wird beim Austritt parallel zum Zeugnis geregelt<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/arbeitszeitgesetz\"><strong>Arbeitszeitgesetz<\/strong><\/a> \u2014 Rahmen, innerhalb dessen die bewertete Arbeitsleistung erbracht wird<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/betriebliche-altersvorsorge\"><strong>Betriebliche Altersvorsorge<\/strong><\/a> \u2014 Anspr\u00fcche, die parallel zum Zeugnis bei Austritt gekl\u00e4rt werden<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist\/mehrarbeit\"><strong>Mehrarbeit<\/strong><\/a> \u2014 Wird im Zeugnis oft als besondere Einsatzbereitschaft gew\u00fcrdigt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wer Arbeitszeugnisse im Kontext der Arbeitnehmer\u00fcberlassung ausstellen muss, findet im Ratgeber zur <a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/was-ist-arbeitnehmerueberlassung\/\"><strong>Arbeitnehmer\u00fcberlassung<\/strong><\/a> die relevanten Besonderheiten. F\u00fcr die Auswahl passender Dienstleister hilft der <a href=\"https:\/\/glow-careers.de\/blog\/die-besten-anbieter-fuer-arbeitnehmerueberlassung-in-deutschland\/\"><strong>Vergleich der besten Anbieter f\u00fcr Arbeitnehmer\u00fcberlassung in Deutschland<\/strong><\/a> bei der Entscheidung.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Quellen: Gewerbeordnung (GewO), Bundesarbeitsgericht (BAG), B\u00fcrgerliches Gesetzbuch (BGB). Dieser Artikel wurde von der Glow Careers Redaktion verfasst und gepr\u00fcft.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arbeitszeugnis einfach erkl\u00e4rt: Die schriftliche Leistungs- und Verhaltensbewertung eines Mitarbeiters. 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